Auditorium - Interview Frederik & Jesper
Ein Auditorium beginnt mit der Frage: Wie wollen wir miteinander kommunizieren?
Zuhören, diskutieren, gemeinsam arbeiten: Ein Auditorium kann ganz unterschiedliche Formen der Begegnung ermöglichen. Frederik Flötotto spricht mit Jesper Højholt, Managing Partner bei Flötotto Scandinavia ApS und Experte für die Planung und Realisierung von Auditoriumsprojekten, über Kommunikationsformen, individuelle Lösungen und die richtige Bedarfsanalyse. Jespers spezialisiertes Wissen verbindet sich dabei mit der Planungs- und Umsetzungskompetenz des gesamten Flötotto Teams, das Auditorium-Projekte weltweit begleitet.
Frederik Flötotto: Jesper, beim Begriff Auditorium denken viele sofort an einen klassischen Hörsaal: ansteigende Reihen, vorne eine Person, die spricht, und viele Menschen, die zuhören. Wie zeitgemäß ist dieses Bild noch?
Jesper Højholt: Es beschreibt eine wichtige Nutzung, aber nur einen Teil der Möglichkeiten. Für einen Vortrag, eine Filmvorführung oder ein Konzert ist die gemeinsame Ausrichtung nach vorne sinnvoll. Alle sollen gut sehen, gut hören und bequem sitzen. In Bildungseinrichtungen stellt sich zusätzlich die Frage, wie Lehrende und Lernende miteinander kommunizieren sollen. Bleibt es überwiegend beim Vortrag? Entwickelt sich ein Dialog? Oder sollen die Teilnehmenden auch miteinander arbeiten? Diese unterschiedlichen Kommunikationsformen haben unmittelbare Konsequenzen für die Planung.
Frederik: Wir sollten also zuerst über Kommunikation sprechen und dann über die Bestuhlung?
Jesper: Genau. Ich unterscheide dabei drei Situationen: Eine Person spricht zu vielen. Lehrende und Lernende stehen im Dialog. Und die Lernenden arbeiten miteinander. Ein Raum kann mehrere dieser Situationen unterstützen. Dafür müssen wir bewusst planen, wie der Wechsel gelingt. Wenn Gruppenarbeit vorgesehen ist, müssen sich die Menschen einander zuwenden können. Und wenn die Lehrperson individuell unterstützen soll, muss sie die einzelnen Arbeitsplätze erreichen können.
Frederik: Was bedeutet das für einen Raum, in dem der Vortrag im Mittelpunkt steht?
Jesper: Hier konzentriert sich die Planung stark auf Sichtbeziehungen, Hörbedingungen und Sitzkomfort. Die Reihen orientieren sich zur Bühne oder Präsentationsfläche. Eine ansteigende Anordnung kann helfen, auch von den hinteren Plätzen gut zu sehen. Dazu kommen die Dauer der Veranstaltungen und die Tätigkeit am Platz: Wird zugehört, werden Notizen gemacht oder Laptops genutzt? Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an Sitze, Abstände und Schreibflächen. Auch ein klassischer Hörsaal braucht eine sorgfältige Bedarfsanalyse.
Frederik: Und wie verändert sich der Raum, wenn wir mehr Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden ermöglichen wollen?
Jesper: Dann wird Nähe wichtig. Kompaktere Räume und eine flachere Staffelung können den Austausch erleichtern. Auch die Wege durch den Raum spielen eine größere Rolle. Die Lehrperson sollte sich zu den Lernenden bewegen können, Fragen am Platz beantworten und bei einer Aufgabe über die Schulter schauen können. Dafür braucht sie ausreichend Bewegungsraum und Zugang zu den Arbeitsplätzen. Das muss bereits im Grundriss berücksichtigt werden.


Frederik: Auf unserer Auditorium-Seite zeigen wir eine Lösung mit festen Tischen und losen Stühlen. Passt sie zu diesem Gedanken?
Jesper: Sehr gut. Feste Tische schaffen eine verlässliche Arbeitsfläche und eine klare Ordnung. Lose Stühle ermöglichen es, die Sitzposition zu verändern und sich anderen zuzuwenden. So kann auf einen gemeinsamen Input ein Gespräch mit den Nachbarn oder eine Arbeitsphase folgen. Gleichzeitig kann die Lehrperson die Teilnehmenden unmittelbar unterstützen. Voraussetzung sind passende Tischanordnungen, ausreichend Platz und gut geplante Wege.
Frederik: Wie weit lässt sich das bis zur Gruppenarbeit entwickeln?
Jesper: Wenn Gruppenarbeit ein wesentlicher Bestandteil der Nutzung ist, muss sie die Planung von Anfang an prägen. Wir überlegen dann: Wie viele Personen arbeiten zusammen? Wie wenden sie sich einander zu? Welche gemeinsame Arbeitsfläche brauchen sie? Und wie finden sie anschließend wieder in die gemeinsame Aufmerksamkeit zurück? Dabei prüfen wir auch die räumlichen Möglichkeiten. In einem eng bestuhlten, stark ansteigenden Hörsaal sind die Voraussetzungen andere als in einem flacheren Raum mit großzügigeren Arbeitsbereichen. Unsere Aufgabe ist, eine Lösung zu entwickeln, die zu den gewünschten Lern- und Kommunikationsformen passt.
Frederik: Auf unserer Website zeigen wir unter anderem Noroff, NTNU, Scania Trucks und KS Agenda. Wie helfen solche Referenzen bei einem neuen Projekt?
Jesper: Sie zeigen die Bandbreite des Themas: vom Bildungsbereich über das Unternehmensumfeld bis zum Konferenzkontext. Für Interessenten sind sie ein guter Ausgangspunkt, um die eigenen Anforderungen zu beschreiben. Bei einem Bildungsprojekt wie Noroff oder NTNU stellt sich beispielsweise die Frage, welchen Stellenwert Vortrag, Dialog und gemeinsames Arbeiten im eigenen Raum haben sollen. Ein Unternehmensumfeld wie Scania Trucks lenkt den Blick auf Präsentationen, Schulungen und Veranstaltungen. Beim Konferenzkontext von KS Agenda werden wechselnde Nutzer und Veranstaltungsformate interessant.
Wir nutzen Referenzen als Gesprächseinstieg: Was spricht den Kunden an? Welche Nutzung stellt er sich vor? Und welche Anforderungen unterscheiden sein Projekt von den gezeigten Beispielen?


Frederik: Du bringst das spezialisierte Wissen für Auditorien ein. Wie verbinden wir diese Erfahrung mit der Arbeit unseres gesamten Teams?
Jesper: Ich bringe meine Erfahrung mit Bestuhlungssystemen, Raumkonzepten und den besonderen technischen Anforderungen von Auditorien ein. Gemeinsam mit unseren Planern und den weiteren Projektbeteiligten entwickeln wir daraus eine Lösung, die zum jeweiligen Gebäude und seiner Nutzung passt. Die Projekte werden durch das gesamte Flötotto Team geplant, koordiniert und realisiert – weltweit. Je nach Aufgabe arbeiten unsere Planer, Innenarchitekten und Projektverantwortlichen eng mit den Architekten und Fachplanern vor Ort zusammen. So verbinden wir spezialisiertes Auditorium-Wissen mit der Erfahrung von Flötotto in der Umsetzung internationaler Projekte.
Frederik: Welche Frage stellst du bei einer ersten Bedarfsanalyse am liebsten?
Jesper: „Beschreiben Sie uns einen typischen Tag in diesem Raum.
“Wer nutzt ihn morgens? Was passiert am Nachmittag? Gibt es abends öffentliche Veranstaltungen? Wie lange sitzen die Menschen dort? Müssen sie schreiben, diskutieren oder in Gruppen arbeiten? Und wer bereitet den Raum auf die nächste Nutzung vor? So entsteht ein konkretes Bild. Eine gewünschte Anzahl von Sitzplätzen ist wichtig, aber sie erklärt noch nicht, wie der Raum funktionieren soll.
Frederik: Wo liegen dabei die größten Herausforderungen?
Jesper: Häufig treffen unterschiedliche Erwartungen aufeinander. Gewünscht werden möglichst viele Plätze, großzügiger Komfort, gute Arbeitsflächen und hohe Flexibilität. Diese Wünsche beeinflussen sich gegenseitig. Hinzu kommen die Perspektiven von Nutzern, Betreiber, Architektur und Bauherrn. Deshalb sollten die entscheidenden Beteiligten früh zusammenkommen. Unser Team hilft dabei, Prioritäten festzulegen und die räumlichen sowie finanziellen Konsequenzen verschiedener Lösungen verständlich zu machen.
Frederik: Was sollte Flötotto für ein neues Auditorium möglichst früh wissen?
Jesper: Wir brauchen vor allem ein Verständnis der Nutzung: Wer kommt in den Raum, was soll dort stattfinden und welche Kommunikationsformen sollen möglich sein? Hilfreich sind außerdem Grundrisse und Schnitte mit Raummaßen, Höhen und vorhandenen Stufen, die gewünschte Personenzahl, ein Budgetrahmen und der angestrebte Fertigstellungstermin. Wir fragen nach Barrierefreiheit, Bühne, Projektion, Akustik und Beleuchtung sowie nach Stromversorgung und Arbeitsflächen an den Plätzen. Beim ersten Gespräch muss noch nicht alles geklärt sein. Wichtig ist, dass wir offene Fragen gemeinsam erkennen und rechtzeitig bearbeiten.


Frederik: Wie breit ist das Spektrum der Lösungen, die daraus entstehen können?
Jesper: Es reicht von einer einfachen, robusten Hörsaalbestuhlung auf verschiedenen Ebenen über Lösungen mit integrierten Schreibflächen oder festen Tischen und beweglichen Stühlen bis zur vollgepolsterten Konzert- oder Kinosaalbestuhlung. Dabei ändern sich die Prioritäten. Ein intensiv genutzter Unterrichtsraum braucht gute Arbeitsbedingungen und pflegeleichte Oberflächen. Bei längeren Aufführungen rücken Polsterung, Sitzkomfort und die Atmosphäre des Saales stärker in den Vordergrund.
Frederik: Was ist bei einer vollgepolsterten Lösung besonders zu beachten?
Jesper: Sitz und Rückenlehne, Polsteraufbau, Armauflagen und Bezüge müssen zur Aufenthaltsdauer und Nutzung passen. Auch Reinigung, Verschleiß und der spätere Austausch einzelner Komponenten gehören dazu. Zugleich beeinflusst die Bestuhlung die Raumakustik. Deshalb stimmen wir sie mit der Akustikplanung ab. Bei klappbaren Sitzen achten wir außerdem auf die Bedienung und Geräuschentwicklung. Viele Details, die im ersten Moment klein erscheinen, prägen später das Erlebnis im Saal.
Frederik: Wie individuell kann ein Auditorium werden?
Jesper: Der Individualisierungsgrad kann sehr hoch sein. Je nach System und technischer Machbarkeit lassen sich Materialien, Farben, Stoffe, Polsterung, Armlehnen und Schreibflächen auf das Projekt abstimmen. Dazu kommen Reihenanordnung, Befestigung und die gestalterische Einbindung in den Raum. Individualität bedeutet auch, genau die Funktionen vorzusehen, die gebraucht werden. Wir besprechen deshalb bei Sonderlösungen immer den Nutzen sowie die Auswirkungen auf Kosten, Wartung und Zeitplanung.
Frederik: Besonders bei der Mechanik können Projekte anspruchsvoll werden. Was muss hier früh geklärt werden?
Jesper: Welche Bewegung benötigt wird und welchem Zweck sie dient. Geht es um klappbare Sitze, integrierte Schreibplatten oder eine komplexere Lösung zur Veränderung der Raumnutzung? Dann betrachten wir Platzbedarf, Bedienung, Belastung und Wartung. Wer bedient die Mechanik, wie häufig und unter welchen Bedingungen? Sie muss im Alltag zuverlässig und verständlich funktionieren. Besondere mechanische Lösungen können zusätzliche technische Abstimmungen, Entwicklung oder Bemusterung erfordern. Deshalb müssen wir sie früh im Projekt besprechen.
Frederik: Wie läuft die Beratung und Planung bei Flötotto konkret ab?
Jesper: Wir beginnen mit der Bedarfsanalyse. Gemeinsam klären wir Nutzung, Kommunikationsformen, Kapazität, Komfort, Budget und Termine. Darauf folgt das Raum- und Bestuhlungskonzept. Unsere Planer entwickeln die Anordnung, prüfen Sichtbeziehungen und Bewegungsflächen und besprechen mit dem Kunden gegebenenfalls unterschiedliche Varianten. Anschließend konkretisieren wir die Ausstattung und Gestaltung: Sitzsystem, Materialien, Polsterung, Schreibflächen und technische Optionen. Muster oder eine Sitzprobe können bei der Entscheidung helfen. Danach folgt die technische Abstimmung mit Bauherrn, Architektur und Fachplanern. Wir klären die Schnittstellen und führen die Planung zur Ausführungsfreigabe. Den Abschluss bilden Fertigung, Lieferung, Montage und Übergabe. Unsere Projektverantwortlichen koordinieren diese Schritte mit dem Bauablauf und der Vorbereitung vor Ort.
Frederik: Wann ist der richtige Zeitpunkt, das Flötotto Team einzubinden?
Jesper: Möglichst bevor Raumgeometrie, Stufen und technische Anschlüsse endgültig festgelegt sind. Bestuhlung und Gebäude hängen eng zusammen. Je früher unsere Planer die Anforderungen gemeinsam mit Bauherrn, Nutzern und Fachplanern abstimmen können, desto besser wird die Gesamtlösung. Das ist besonders wichtig, wenn ein Raum neben Vorträgen auch Dialog und Gruppenarbeit ermöglichen soll. Die dafür notwendigen Flächen und Wege lassen sich später nur begrenzt ergänzen. Wir begleiten Projekte weltweit und stimmen unsere Planung und Umsetzung auf die örtlichen Bedingungen und die Zusammenarbeit mit den Beteiligten vor Ort ab.
Frederik: Welchen Vorlauf sollten unsere Kunden einplanen?
Jesper: Für Beratung und Planung sollten je nach Komplexität etwa acht bis zehn Wochen vorgesehen werden. Diese Zeit brauchen wir, um den Bedarf zu verstehen, das Konzept zu entwickeln und die Details gemeinsam abzustimmen. Ab Auftragserteilung beträgt die reguläre Lieferzeit ebenfalls etwa acht bis zehn Wochen, sofern die Ausführung vollständig geklärt und freigegeben ist. Bei besonderen mechanischen Lösungen oder umfangreichen Sonderentwicklungen kann es länger dauern. Wer einen festen Eröffnungstermin hat, sollte beide Phasen berücksichtigen und früh mit uns sprechen. Montage und Baustellenvorbereitung stimmen wir zusätzlich im Projektterminplan ab.
Frederik: Was wird bei der Planung häufig unterschätzt?
Jesper: Der spätere Betrieb. Wie werden die Reihen gereinigt? Lassen sich Verschleißteile gut austauschen? Ist eine Mechanik für Wartungsarbeiten zugänglich? Und wer übernimmt notwendige Veränderungen im Raum? Ein Auditorium wird über viele Jahre genutzt. Deshalb lohnt es sich, neben Gestaltung und Anschaffung auch Pflege, Reparatur und Bedienbarkeit sorgfältig zu betrachten.
Frederik: Woran erkennt man am Ende ein gut geplantes Auditorium?
Jesper: Daran, dass die Menschen es selbstverständlich nutzen können. Sie sehen und hören gut, sitzen passend zur Veranstaltung und können miteinander kommunizieren, wie es die Situation verlangt. Auch für die Betreiber funktionieren Reinigung, Bedienung und Wartung. Ein gutes Auditorium unterstützt das, was dort stattfinden soll: einen konzentrierten Vortrag, ein Gespräch, gemeinsames Lernen oder ein kulturelles Erlebnis. Genau dafür planen wir es.
Sie planen ein Auditorium?
Ob Schul-Aula, Hörsaal, Konferenzraum oder Konzert- und Kinosaal: Das Flötotto Team begleitet Ihr Projekt weltweit – von der ersten Bedarfsanalyse über die individuelle Planung bis zur Lieferung und Montage. Dabei verbinden wir Jesper Højholts Auditorium-Expertise mit der Erfahrung unserer Planer und Projektverantwortlichen.
Sprechen Sie mit uns über Ihr Projekt.

